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Nonverbale Kommunikation 2: Der Zauber des Lächelns.

13. Juli 2013

In der Diskussion des Blogposts „Wie definierst Du Liebe?“ kam die Frage auf, welche Rolle äußerliche Schönheit für Partnerschaft und Liebe spielt. Ich möchte das zum Anlass nehmen, das einmal unter „Laborbedingungen“ zu untersuchen und bei dieser Gelegenheit das Thema nonverbale Kommunikation wieder aufzugreifen.

Das Labor war der Verkaufsraum einer Apotheke an meinem früheren Studienort. Und ich war selbst Teil dieses Experimentes, das sich deshalb unter wenig objektiven Bedingungen abspielte. Ich hatte also ein Medikament zu besorgen und – meine Güte! – da bediente mich ein total süßes Mädel! Die war mir auf Anhieb sympathisch! Sie sah super aus und lächelte mich so herzlich an, dass ich fast schon bedauerte, nicht öfter krank zu sein und in diese Apotheke zu müssen! In meiner Eitelkeit fragte ich mich, ob ihr zauberhaftes Lächeln mir persönlich galt oder ob sie alle Kunden gleichermaßen mit ihren leuchtenden Augen von ihren Wehwehchen heilte. Bloß, um das zu untersuchen, hätte ich sie länger z. B. durch das Schaufenster beobachten müssen. Aber das unterließ ich lieber, denn einfach so durch die Scheibe zu glotzen war mir zu blöd und Interesse an den Abführmitteln in der Auslage vorzutäuschen, wäre in meiner Jugend doch irgendwie wenig glaubhaft gewesen.

Zu einem anständigen Versuch gehört auch der Gegenversuch. Hier in Form der Kollegin jenes sympathischen Fräuleins, in der selben Apotheke. Die beiden waren sich äußerlich sehr ähnlich. Die gleiche Figur und Körpergröße, die gleiche Frisur und Haarfarbe, sogar sehr ähnliche Gesichtszüge. Die beiden hätten Schwestern sein können. Und natürlich der gleiche weiße Kittel, um die identischen Laborbedingungen zu komplettieren. Als die mich mal bediente, war da emotional nichts. Absolut nichts!

Fazit: Es war nicht die äußere Erscheinung, die das süße Mädel für mich so attraktiv gemacht hatte. Es war ihr strahlendes, herzliches Wesen. Und abgelesen hatte ich das an ihrem offenen Lächeln, ihrer Mimik, ihrer Körpersprache, mit der sie ihre Freude am Gegenüber signalisierte. Wobei wir dahingestellt sein lassen können, ob ihre Freude nun mir galt oder allen Kunden, die da in den Laden kamen.

Um noch eins draufzusetzen: Irgendwann sah ich sie an der Bushaltestelle stehen. Sie bemerkte mich nicht, also lächelte sie auch nicht. Sie wirkte müde und unscheinbar. Keine so überwältigende Schönheit, nach der „Mann“ sich auf der Staße hätte umdrehen müssen. Es war ihr Lächeln, die Art, wie sie mit mir umgegangen war, weswegen ich sie attraktiv – und damit schön – gefunden hatte!

Aber das Experiment, in dem ich wohl so was wie ein Versuchskaninchen war, ging noch weiter. Zwei oder drei Semester später, in der selben Apotheke. Da hatte das Personal gewechselt oder es gab einen anderen Dienstplan, jedenfalls wurde ich von einer anderen Dame bedient. Eine wirklich gutaussehende junge Frau! Sie hatte eine sportliche, schlanke, aber nicht magere Figur,  eine entspannte, aufrechte Körperhaltung, ansprechende, harmonische und dabei interessante Gesichtszüge, einen gesunden Teint, lange gepflegte Haare. Aber sie wirkte auf mich trotzdem nicht besonders attraktiv. Auch sie lächelte, aber ihr Lächeln, war „gewollt“, nicht spontan. Freundlichkeit gehörte zu ihrem Beruf, und den wollte sie gut machen.

Ich bräuchte das nicht zu erwähnen, wenn nicht etwas Interessantes geschehen wäre. Und das ist leider etwas kompliziert zu erklären. Ich lächelte nämlich zurück. Ebenfalls „gewollt“, kopfgesteuert, nicht spontan. Ich wollte ihr etwas signalisieren, und meine Botschaft war wohl etwa diese: „Ich hab gesehen, dass Sie freundlich und hilfsbereit sein möchten. Und das sind Sie ja auch, selbst wenn das nicht so natürlich rüberkommt. Das finde ich toll und ich möchte auch zeigen, dass ich dafür dankbar bin. Schließlich haben Sie es den ganzen Tag mit kranken Menschen zu tun und müssen in ihre gequälten Gesichter schauen. Sie machen hier einen super Job!“

So ging es öfters. Jedes mal versuchten wir einander zu zeigen, dass wir einander mit einer guten und wohlwollenden Grundeinstellung begegneten. Und nach und nach wurde unser Lächeln natürlicher, echter! Nicht das wir einander nun attraktiv gefunden oder gar geflirtet hätten, aber die kurzen Begenungen  waren angenehm und hatten trotz all der Schmerztabletten, Hustentropfen und Heftpflaster um uns herum etwas Positives und Freundliches.

Fazit 2: Auch ein „gewolltes“ Lächeln kann einen positiven Sinn haben. Nicht jedes künstliche Lächeln ist verlogen, nur weil es nicht spontan ist.

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