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Steht der Termin?

3. August 2013

Gestern erreichte mich diese Frage:

Warum muss man immer wieder über einen Termin reden. Es reicht doch, wenn man einmal was ausmacht und der Termin steht. Manchmal muss man das mehrfach bereden und bestätigen. Tut man das nicht, dann ist der Termin nicht existent für den NT. Warum ist das so?

Meine spontane Reaktion war:

Oh… Darüber muss ich erst mal nachdenken. Mir ist das noch nie aufgefallen. Ist das überhaupt so? Ist das NT-typisch? Oder liegt das an bestimmten unzuverlässigen Individuen? *grübel*

Inzwischen hatte ich eine tropisch schwülheiße und deshalb relativ schlaflose Nacht lang Zeit, darüber nachzudenken. Leider mit einem recht unbefriedigendem Ergebnis. Der Aussage „Es reicht doch, wenn man einmal was ausmacht und der Termin steht.“, kann ich als NT schließlich uneingeschränkt zustimmen.

Nach der in der Frage durchscheinenden Erfahrung scheint es aber Menschen zu geben, für die das so nicht gilt. Warum das so ist, darüber kann ich nur spekulieren. Zunächst mal: Nicht alle neurotypischen Leute sind so. Nach meiner Beobachtung sind es nicht einmal besonders viele. Aber diejenigen, die so sind, können ganz schön nerven.

Es ist schwer, nun eine Ferndiagnose über jemanden abzugeben, von dem man nur ein einziges Charakteristikum mitgeteilt bekommen hat, und das dann auch „aus dritter Hand“. Deshalb ist mein Versuch, hier Psychoanalytiker zu spielen, mit größter Vorsicht zu genießen. Aber es könnte durchaus möglich sein, dass der Betreffende eine Biographie hinter sich hat, wo es nichts Verlässliches gab. Wo von Eltern Versprechen gemacht und nicht eingehalten wurden oder wo im sozialen Umfeld alles Unsicher war. Beispielsweise bei einer psychischen Erkankung oder Drogenabhängikeit der Bezugspersonen.

Ich erinnere mich an ein Kind, es war vielleicht secht oder sieben Jahre alt, dass ich mal hilflos auf einem Großstadtbahnhof antraf. Es war alleine mit dem Zug gekommen und die Mutter hatte es nicht abgeholt. Schon seltsam, dass ein Kind in dem Alter allein mit dem Zug unterwegs ist. Ich fragte, wo der Junge denn wohne. Es war ein Problemstadtviertel, ein sozialer Brennpunkt, noch eine ganze Strecke außerhalb. Ich wartete noch eine halbe Stunde, ließ die Mutter schließlich über Lautsprecher ausrufen. Nichts passierte. Das Telefon zu Hause wurde auch nicht abgenommen. Der Kleine erzählte mir, dass die Mutter auch sonst oft nicht da sei, auch nachts nicht. Schließlich blieb mir nichts anderes übrig, als das Kind bei der Bahnhofsmission in Obhut zu geben.

Wenn so etwas öfters passiert, prägt das die Psyche eines Menschen auf Dauer. Und es ist dann möglich, dass so jemand immer wieder Gewissheit bei seinen Mitmenschen sucht und deshalb immer wieder nachfragt.

Es kann auch sein, dass jemand eigentlich zu dem Termin gar nicht kommen möchte. Sei es nicht zu dem bestimmten Zeitraum, sei es generell zu der Verabredung. Dass er/sie sich aber nicht traut, das offen zu sagen und nun hofft, dass den anderen etwas dazwischenkommt und dass sie doch absagen. Da fehlt dann einfach das Selbstbewusstsein und der Mut, zu sagen: „Nee, passt mir nicht!“

Wobei sich dann natürlich gleich die Folgefrage anschließt: „Warum fällt die Absage so schwer?“ Weil man dann als Drückeberger gilt? Oder als menschenscheu? Oder als Spaßverderber? Oder sucht derjenige einfach nach einer Gelegenheit, ein mit der Verabredung verbundenes Problem anzusprechen, das er/sie vorher geklärt haben möchte? Keine Ahnung!

Manchmal beobachte ich die Schwierigkeit mancher Leute, vom Gespräch über eine Sache zu einem Entschluss zu kommen. Manchmal sogar bei Sitzungen, wo ich dann nicht weiß, was ich ins Protokoll schreiben soll. Meine häufigsten eigenen Wortmeldungen beinhalten dann Beschlussvorlagen und die eindringliche Bitte, darüber abzustimmen. Manchmal ein Kraftakt, das umzusetzen. „Das haben wir doch besprochen!“, heißt es dann.  Ja, besprochen schon, aber nicht beschlossen! Und statt mit einem „Wer ist dafür? Bitte Hand heben!“ geht die Debatte in eine neue Runde…

Für manche Menschen ist Reden eine Art, sich innerlich mit einer Angelegenheit auseinanderzusetzen. Wenn es sich um einen Diskurs handelt, ist das durchaus sinnvoll. Wenn aber einfach nur der Denkapparat auf „laut“ gestellt ist, dann hab ich ein Problem damit. Manchmal ist das ein Problem zwischen Männern und Frauen.

Wenn ein Termin in weiter Ferne liegt, ist es sinnvoll, beizeiten daran zu erinnern. Es könnte jemandem was dazwischen gekommen sein und er/sie hat vergessen, das zu regeln. Für mich selbst ist es auch wichtig, dass ich einen Termin aufschreibe. Nicht nur, weil ich vergesslich bin und dann im Terminkalender nachschauen kann, sondern weil durch das Aufschreiben das Datum „durch den Körper geht“ und auch sichtbar wird. Ich bin ein visueller Typ. Was ich nur gehört habe, geht zu schnell verloren. Aber das Aufschreiben ist ein Akt, den ich für mich selber machen kann. Ich frage höchstens noch mal nach, ob 15:00 Uhr richtig ist oder 5 Uhr nachmittags. In dieser Hinsicht bin ich nämlich ein ziemlicher Daddelheini! 😉

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