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Brücken über die Glaswand?

31. Mai 2014

„Ich bin in meiner Glasinnenwelt gefangen. Mit mir allein. Ich kann die Hand ausstrecken, aber alles, was ich erreichen kann sind die gläsernen Grenzen meiner selbst.“

„Innen“ ist die Welt hell, klar und geordnet. Aber sie ist auf eine seltsame Weise von der Außenwelt getrennt. So schildert es eine Freundin in einem Blogpost.

Auch andere Autisten beschreiben ähnliche Erfahrungen. Einige fühlen sich von der Umwelt wie von einer durchsichtigen Gummiwand getrennt, manche scheinen wie in einer Seifenblase eingeschlossen oder als würde sich das Geschehen ringsum auf einem Monitor abspielen.

Die Freundin erwähnte zarte, zerbrechliche Brücken über diese Mauer aus Glas. Seit dem versuche ich solche Brücken (Bildwort) zu finden. Irgendeinen Zugang zu diesen Menschen, nicht nur zur Oberfläche.

Was meint ihr? Was sind eure Erfahrungen?

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Diesen Beitrag hatte ich schon ein einer geschlossenen Community veröffentlicht, wo er auf recht viel Resonanz stieß.

Nun habe ich einen ebenfalls einige Monate alten Blogpost bei BloOsPlanet endeckt, der genau diese Wand zum Thema hat. BloO erlebt diese Wand als undurchdringlich. Für mich bleibt die Frage, bzw. sie stellt sich aufs neue: Wie damit umgehen? Ich mag nicht resignieren. Deshalb bitte ich euch auch hier (öffentlich einsehbar) um eure Erfahrungen.

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2 Kommentare
  1. Pangolin permalink

    Bei mir gibt es Brücken über diese Glaswand.
    Das habe ich früher nie für möglich gehalten. Denn mir wurde meine Andersartigkeit immer wieder bewusst und von den NT’s vor Augen gehalten. In der Schule waren Hänseleien und Mobbing an der Tagesordnung. Im Arbeitsleben wurde es ein klein wenig besser, weil es in erster Linie um Leistung ging…aber wenn dann meine sozialen Ungeschicklichkeiten auffällig wurden, stand mal wieder ein Arbeitsplatzwechsel an…
    Eines Tages trat ein 11-jähriges Mädchen in mein Leben…wir hatten das Gleiche Interesse und übten unser „Hobby“ am gleichen Ort aus. Bezeichnenderweise fiel mir gar nicht mal auf, dass es sich bei ihr um ein Kind handelte. So, wie mir fast nie das Alter eines Menschen bewusst ist. Das Mädchen sah mir bei allem zu, was ich tat und lernte von mir. Und sie lernte schnell. Aber auch ihr fielen meine mangelnden sozialen Fähigkeiten auf. Allerdings deutete sie das völlig anders. Sie fand es einfach nur cool, wie ich geradeheraus den Leuten die Wahrheit ins Gesicht sagte…ohne mich darum zu kümmern, was die dann von mir denken. Und bei besonders groben „Schnitzern“ lachte sie sogar…weil sie es für einen Witz hielt und sie nahm an, ich würde das alles ja gar nicht so meinen. Sie bewunderte meinen „Humor“ und lachte so dermaßen ansteckend, dass ich einfach mitlachen musste.
    Sie begegnete mir mit Wertschätzung…und Achtsamkeit, sie wollte mich keinesfalls verletzen, denn sie sah in mir einen fühlenden Menschen.
    Immer öfter erzählte sie mir aus ihrem Leben…und von ihrem Erleben. Sie war sehr gut darin ihre Gefühle sehr detailliert zu beschreiben…und auch die Zusammenhänge der einzelnen Situation gut zu erkennen. Ich lernte von ihr…ohne dass sie eine Ahnung davon hatte.
    Und mir wurden die Begegnungen mit ihr immer wertvoller. Sie war mir absolut wohl gesonnen…und zwischen uns entwickelte sich eine Freundschaft.
    Von meiner Seite war es zunächst noch ein sehr zartes Band, aber ich durfte erfahren, dass sie mir immer noch wohlgesonnen war, egal was ich auch tat oder sagte. Sie hielt zu mir. Das war für mich eine völlig neue Erfahrung und führte dazu, dass ich mich tatsächlich öffnen konnte…und eine Bindung von meiner Seite entstand. Ich konnte ihr von meinem Erleben erzählen…und wir lachten gemeinsam über die unterschiedlichen Wahrnehmungsweisen. Dieses Lachen empfand ich nie als abwertend, sondern es war etwas Gemeinsames…etwas Gewachsenes, was uns beide gleichermaßen bereicherte.
    Ich fühlte mich bei ihr sicher, denn egal wie unterschiedlich unsere Blickwinkel auf die Dinge und Situationen auch waren, so empfanden wir das nicht als trennend, sondern als ergänzend zur eigenen Sichtweise.
    (Was ich hier so kurz zusammenfasse, war übrigens ein jahrelanger Prozess).
    Diese Erfahrung war das, was man als eine „tragende Beziehung“ bezeichnet…und sie trägt mich immer noch. Nun schon seit 20 Jahren.
    Und sie trägt mich sogar in der Begegnung mit anderen Menschen. Sie gibt mir das Gefühl ein Mensch zu sein, der in dieser Gesellschaft seinen Platz haben darf…zwar nicht überall, aber ich muss auch nicht mehr ganz isoliert stehen.
    Mit dieser Erfahrung kann ich für mich sagen: es ist möglich eine Brücke zu schlagen…
    Aber es braucht dazu den „richtigen“ Menschen. Dann ist es ein großes Geschenk sich auf dieser Brücke zu begegnen.

    Viele Grüße,

    Pangolin

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  1. Das Kaleidoskop. | Erdlingskunde

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