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Verbale und mentale Verirrung.

24. März 2015

Ein Blogbeitrag von Robo betrachtet einen Artikel von Helene Hegemann im Feuilleton der FAZ. Hier, nach meiner anfänglichen Weigerung, mich mit dem FAZ-Text zu befassen, mein eigenes Statement. Hegemann kritisiert die Gesellschaft am Beispiel des Hochstaplers Felix Krull pauschal als hochgradig egoistisch und perfide. Und nur ein „neuer Autismus“, so der Teaser, könne „uns“ retten.

Wenn Felix Krull kein Held mehr ist, sondern zumindest unbewusst dem Richtmaß einer strebsamen Persönlichkeit entspricht, braucht man als neuen Helden den Gegenentwurf zu seiner Existenz: Menschen, die sich aufgrund von pathologischer(sic!) Selbstvergessenheit einer Sache verschreiben, ohne dass es dabei auch nur ansatzweise um ihr persönliches Fortkommen geht.

Übersieht man das Attribut „pathologisch“, so könnte man bis hierher der Meinung sein, die Autorin würde tatsächlich Autisten wegen ihrer Geradlinigkeit, ihres Gerechtigkeitssinnes und ihrer Gewissenhaftigkeit wertschätzen. Ist aber nicht so. Denn im darauffolgenden Absatz bedient Hegeman gleich ein ganzes Bündel gängiger Klischees:

Isolierte Wissenschaftler, talentierte Sänger, die aus Angst vor der Öffentlichkeit keinen Plattenvertrag unterschreiben, oder sechsjährige Inselbegabte, die zwar kaum kommunizieren können, aber dafür gut rechnen oder fotorealistisch Bilder vom Regenwald abzeichnen. Das Idealbild eines aufrichtigen, der Gesellschaft nützlichen Menschen ist nur noch durch einen gewissen Grad an krankhafter(sic!) Abweichung zu erreichen.

Nicht der geringste Ansatz einer Richtigstellung in irgendeiner Form. Im Gegenteil. Was nun kommt, offenbart eine Verirrung im Sprachgut, die sich auch bei größter Anstrengung nicht nachvollziehen lässt:

Bei dieser neuen, glorifizierten Form von Autismus handelt es sich nicht um unberechenbare(sic!) Asperger-Kids, die schon im Vorschulalter masturbierend(sic!) am Kronleuchter(sic!) hängen. Es geht um zurückhaltende Außenseiter, die nicht lügen können und ihre Fähigkeiten wegen irgendeines irrationalen(sic) Pflichtbewusstseins in den Dienst der Allgemeinheit stellen. Sie sind hochbegabt, sich selbst egal und deshalb unsere letzte Rettung.

Verbale Schaumschlägerei, ich komme mit den vielen „sics“ kaum noch nach. Und, – klar! -, Frau Hegemann hat sich nie wirklich mit Autismus befasst. Sonst käme ein so wirres Zeug wohl nicht zustande. Aber mehr als das! Der ätzende Sarkasmus, mit der sie über als autistisch apostrophierte Persönlichkeitseigenschaften her zieht, offenbart eine teifgreifende Orientierungslosigkeit ihres eigenen Wertesystems. Wem hängt sie denn nun an? Dem Hochstapler Krull aus Thomas Manns Roman oder der im Weiteren charakterisierten Saga Noren aus der skandinavischen Krimiserie „Die Brücke“? Keinem von beidem, wie es scheint. Helene Hegemann zieht es offensichtlich vor, kein Wertesystem zu haben. Ihr Artikel zeigt es. Schade ist das!

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One Comment
  1. fab permalink

    “Bei dieser neuen, glorifizierten Form von Autismus handelt es sich nicht um unberechenbare(sic!) Asperger-Kids, die schon im Vorschulalter masturbierend(sic!) am Kronleuchter(sic!) hängen.“

    Wie bitte?

    Also da kann man ja jetzt viel reininterpretieren, ich vermute aber, es ist totaler Schwachsinn.

    Bestimmt noch weniger!

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