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Wie ich mich orientiere.

Es war spät geworden. Wir hatten einen Besuch bei Freunden gemacht und mein Schwager steuerte den Wagen heimwärts. Ich war fremd, aber mein Chauffeur war hier heimisch und kannte sich aus. Dachte ich. Dacht er auch, denn er war ja oft mit dem Wagen und dem Rad in der Umgebung unterwegs. Also bog er von der Landstraße ab und nahm eine Abkürzung durch den Wald.

Abkürzung… hahaha! Weiterlesen …

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Unheilbar gesund? Ein Brief an „den Marcel“.

Lieber Marcel!

Jemand wies mich auf diesen Artikel von dir hin, und ich fühle mich genötigt, dir zu widersprechen. Nein, Behinderte nerven nicht! Jedenfalls nerven sie mich nicht.

„Die meisten Blogger sind leider damit beschäftigt, belanglose Fehler in großen Medien aufzuzeigen. Als ob es einen Unterschied macht, ob man Gebärdensprachdolmetscher oder Gebärdendolmetscher, Blindenstock oder Blindenlangstock schreibt. Für so einen furz würde ich nicht mal den Laptop aufklappen.“

Aber warum klappst du dann für diesen „Furz“ dein Laptop auf und liest das? Und kommentierst die heiße Luft auch noch, als wäre sie wichtig? Schreib doch einfach was Besseres! Oder lies was Besseres! Zur Meinungs- und Pressefreiheit gehört ja auch, dass man auswählen kann, was man liest, was man links liegen lässt und wo der Mauszeiger zum x im roten Feld rechts oben wandert.

„Werfen wir einen Blick in einschlägige Behindertenblogs, dann lesen wir vor allem Storys über behinderte Opfer. Wo finden wir die Beiträge über Behinderte, die was können?“

Einfach mal surfen, Marcel! Ich bin über den Suchbegriff „Autismus“ auf superbe Künstler, Literaten, Journalisten oder einfach auf wundervolle Menschen gestoßen. Weiterlesen …

Über das (Nicht-)Wahrnehmen der Menschen als Individuen.

Es muss bei irgendeiner Buchvorstellung im letzten Jahr gewesen sein. Nach seinem Vortrag wurde Dr. Peter Schmidt von jemandem aus dem Publikum gefragt, wie er als Autist damit zurechtkäme, vor  so vielen Leuten zu sprechen.

Seine Antwort: „Für mich sind Sie alle sowieso nur bunte Holzpfosten!“

Weiterlesen …

Stromschlag beim Handschlag? Das Rätsel der Berührungen.

Meine Bekannte war tapfer! Das Sirren der Neonröhren, das grelle Behandlungslicht, das Tasten und Kratzen mit Haken und Sonden, das schrille Pfeifen des Bohrers, das durch den ganzen Kopf geht, das Schlurzen des Saugers unter der Zunge, – sie hielt durch!

Auch der Zahnarzt war überglücklich, als die Behandlung seiner autistischen Patientin ohne Zwischenfälle überstanden war. Strahlend schaute er seine Heldin an…

…und nahm sie vor lauter Freude in den Arm!

Ja, es ist für uns Neurotypische unglaublich schwer zu realisieren, wie sehr Autisten von Berührungen, und eben auch von Umarmungen, dem tröstend die Hand auf die Schulter Legen oder einem Händedruck gestresst werden. Auch mir ist es ein Rätsel, dass ich zu begreifen suche.

Eine andere Autistin verglich kürzlich eine Berührung durch einen Menschen mit einem Stromschlag, der dann noch eine Weile ein brennendes Gefühl hinterlässt. Weil sie mal an einem defekten Gerät „eine gewischt“ bekommen hatte, lag der Vergleich nahe.

Eine weitere Chatpartnerin erzählte, sie würde sich, wenn sie beispielsweise am rechten Arm berührt worden sei, in den linken kneifen, damit der Schmerz wenigstens symmetisch sei.

Das Phänomen ist also etwas Anderes als nur eine unterschiedliche taktile Sensibilität, wie sie auch bei uns Neurotypischen vorkommt. (Meine Liebste beschwert sich manchmal, dass ich sie „angerempelt“ hätte, und ich habe nicht die geringste Berührung bemerkt!) Es ist auch etwas anderes als das unwohle Gefühl, wenn sich eine dicke Person im Bus auf den Sitz neben mir flätzt und mir ihr Schweiß und ihre Wärme spürbar werden.

Also grüble ich weiter herum, was mich, im Unterschied zu Tieren und Gegenständen, für einen Autisten zum Zitteraal werden lässt.

Kann es mir jemand erklären?

Wie geht es euch damit?

Querverweis: „Traumwelten, Realität und Phantasie.“

Den Betrag „Traumwelten, Realität und Phantasie“ habe ich in einem Nachbarblog veröffentlicht, da er sich an eine breitere Leserschaft richtet. Ich lade hier aber gerne dazu ein, dort zu lesen und zu diskutieren.

Wie denken neurotypische Menschen?

Von Christoph bekam ich diese Frage:

In was denken NT’s? Denkt ihr in Bildern? Oder in Worten? Oder in Gefühlen? Oder wie es mein Muschel meint: „Ich denke einfach“ (keine nähere Definition verfügbar).

Womit wir uns hier befassen, ist sozusagen die „Benutzeroberfläche“ des Denkapparates, nicht der Denkprozess selbst. Weiterlesen …

Das Kaleidoskop.

Ich hatte die Wohnung von Verwandten auszuräumen und packte Dinge in Koffer, Kartons und Müllsäcke. Was brauchten die alten Herrschaften im Seniorenheim? Woran hängen Erinnerungen? Welche Dokumente sind noch wichtig, welche Papiere gehören in den Schredder? Was können Bekannte gebrauchen, was kommt in den Müll?

Ein Kaleidoskop fiel mir in die Hände. So eines mit einem „Zauberstab“, einer Plexiglasröhre, in der in einem Öl kleine bunte Konfettisterne schwimmen. Weiß der Himmel, wie es in den Bücherschrank  geraten war. Na ja, manche Freunde schenken seltsame Dinge, und alte Leute werfen nichts weg. Das war nun mein Job, das Kinderspielzeug flog in eine Kiste mit Flohmarksachen.

Frustriert von dem Geschäft, das abzureißen, was sich einfache Leute im Laufe eines halben Jahrhunderts aufgebaut hatten, machte ich einen Augenblick Pause, nahm gedankenverloren das Kaleidoskop wieder aus der Kiste, trat ans Fenster und schaute hindurch. Weiterlesen …

Brücken über die Glaswand?

„Ich bin in meiner Glasinnenwelt gefangen. Mit mir allein. Ich kann die Hand ausstrecken, aber alles, was ich erreichen kann sind die gläsernen Grenzen meiner selbst.“

„Innen“ ist die Welt hell, klar und geordnet. Aber sie ist auf eine seltsame Weise von der Außenwelt getrennt. So schildert es eine Freundin in einem Blogpost.

Auch andere Autisten beschreiben ähnliche Erfahrungen. Einige fühlen sich von der Umwelt wie von einer durchsichtigen Gummiwand getrennt, manche scheinen wie in einer Seifenblase eingeschlossen oder als würde sich das Geschehen ringsum auf einem Monitor abspielen.

Die Freundin erwähnte zarte, zerbrechliche Brücken über diese Mauer aus Glas. Seit dem versuche ich solche Brücken (Bildwort) zu finden. Irgendeinen Zugang zu diesen Menschen, nicht nur zur Oberfläche.

Was meint ihr? Was sind eure Erfahrungen?

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Diesen Beitrag hatte ich schon ein einer geschlossenen Community veröffentlicht, wo er auf recht viel Resonanz stieß.

Nun habe ich einen ebenfalls einige Monate alten Blogpost bei BloOsPlanet endeckt, der genau diese Wand zum Thema hat. BloO erlebt diese Wand als undurchdringlich. Für mich bleibt die Frage, bzw. sie stellt sich aufs neue: Wie damit umgehen? Ich mag nicht resignieren. Deshalb bitte ich euch auch hier (öffentlich einsehbar) um eure Erfahrungen.

Warum wird ein Mensch aggressiv, wenn er verlassen wird?

S. stellte mir folgende Frage:

Warum wird ein Mensch aggressiv, wenn er verlassen wird?

Details kenne ich nicht. Also nehme ich mir mal wieder die Freiheit, aus dem Wenigen ein kleines Szenario zu entwerfen. Ich kenne S. nicht, postuliere aber mal, dass sie Autistin ist (was hier keine so große Rolle spielt) und eine Beziehung zu einem neurotypischen Partner von sich aus beendet hat.  Dieser Partner, so schließe ich aus dem Gesagten, reagiert darauf grob, mit Anschuldigungen und Beschimpfungen, direkt oder auch gegenüber anderen, vielleicht sogar mit Verleumdungen und anderen Gemeinheiten. Weiterlesen …

Autisten sind anders!

Ja, auch ich habe Vorurteile gehabt. Oder besser gesagt: ein äußerst beschränktes und deshalb unbrauchbares Wissen. Kein Wunder, denn ich bin früher nie mit Autisten in Kontakt gekommen. Jedenfalls nicht so, dass ich es gemerkt hätte.

Was ich über Autismus wusste, stammte aus beiläufig aufgeschnappten Notizen in der Presse. Autisten, das waren demnach Leute, die ihre Mitmenschen entweder gar nicht zur Kenntnis nahmen oder ihnen bestenfalls den Stellenwert von Gegenständen einräumten. Leute, die keine Gefühle zeigten und demnach wohl auch keine hatten. Oder, wenn doch, dann nur gegenüber Pferden, Hunden und Delfinen. Ja, irgendwie unheimlich, diese seltsame Spezies von Menschen. Ich hatte jedenfalls keine Lust, mit ihnen zu tun zu bekommen. Jemand, der mich als Person, als Gegenüber, als Gesprächspartner nicht wertschätzt, konnte mir gestohlen bleiben.

Egal, Autismus ging mich nichts an und ich dachte nicht weiter darüber nach. Wozu auch! Weiterlesen …